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Zuhören und Empfänger sein

Kennst du das? Dich interessiert es, wie es deinem Pferd geht, da du dich um es sorgst. Also stellst du viele Fragen in den Raum, wie ‚Na, mein Großer, wie geht es dir heute? Hast du einen schönen Tag? Ist alles klar bei dir? Freust du dich auch über das schöne Wetter?‘ etc. pp.

Aus lauter Umsorgen verfallen wir dabei oft in eine Art Dauerschleife gefüllt mit diversen Fragen. Doch lassen wir unserem Gegenüber auch den Raum, um zu antworten?

Wir Menschen senden die meiste Zeit des Tages Informationen aus. Wir kommunizieren sehr gerne und nutzen dabei gerne die verbale Kommunikation. Diese Art der Kommunikation übertragen wir oft auch auf unser Pferd. Doch da dieses sich verbal nicht äußern kann, neigen wir gerne dazu, unser Pferd durchgehend zu bequatschen. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere ja darin. Vor allem beim eigenen Pferd ertappe ich mich selbst ab und an dabei. Mittlerweile bin ich soweit, dass mir das meist bewusst wird. Ist das der Fall, unterbreche ich mich selbst dabei, wenn es unbewusstes Gequassel ist.

Dann nehme ich mir einen Moment in der Stille. Ich genieße die ruhige Atmosphäre bei meinem Pferd und atme ein paar Mal tief durch. In dieser kleinen Pause bleibe ich so lange, bis ich bei mir selbst wieder vollkommen angekommen bin. Bin ich bei mir, dann können Aidis und ich gemeinsam die Stille genießen. Ich rede trotzdem gerne verbal mit ihm, um meinem Inneren Ausdruck zu verleihen. Doch dann ist es eine bewusste Kommunikation und ganz oft merke ich auch, dass doch die meisten Worte gar nicht mehr nötig sind.

So stehen wir gerne Ewigkeiten gemeinsam in Aidis‘ Raddock und genießen die Stille. Und wenn mich dann tatsächlich etwas interessiert, dann stelle ich eine Frage in den Raum. Eine achtsam ausgewählte Frage, die wirklich aus meinem Herzen kommt. Diese spreche ich entweder laut aus oder formuliere sie in mir.

Das wichtige dabei ist, jetzt zuzuhören und eine Sendepause einzulegen. Wir wechseln also in die Rolle des Empfängers und öffnen uns für das, was zu uns finden möchte. Dadurch geben wir dem Pferd erst einmal die Chance, sich zu äußern und auf unsere Frage zu antworten. Dann nehme ich erwartungslos alles an, was Aidis aussendet. Dabei kann die Kommunikation auf alle möglichen Arten und Weisen stattfinden. Bei uns ist es meistens die Energiesprache oder Körpersprache.

Ich möchte hier also darauf hinaus, dass wir unserem Tier auch wirklich zuhören. Und ihm den Raum geben, den es braucht. Es ist so wichtig, diese kleinen Pausen einzulegen, um den Gedankenstrom und Tatendrang mal verstummen zu lassen. Nur dann sind wir neutral und geöffnet für die Antwort auf unsere Frage. Dann geben wir unserem Gegenüber die Möglichkeit, sich mitzuteilen.

Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Fragen, die so in unserem Kopf herumschwirren, erübrigen, wenn wir unseren Kopf leer machen. Wenn wir durchatmen und zu Ruhe kommen. Wenn wir uns verbinden und sortieren. Dann bleibt oft nur eine wirklich bedeutsame Herzensfrage übrig, auf welche wir in der Stille eine Antwort bekommen.

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